Meine Gedichte sind weniger abstrakt. Das hängt damit zusammen, dass ich mit den Worten nicht das Denken anregen möchte, sondern versuche, meine Emotion so in Worte zu verpacken, dass sie auch im Leser etwas zum Schwingen bringen. Wenn ich sage: "Ich habe ein wunderschönes Abendrot gesehen!" - dann werden im Hörer/Leser Bilder hervorgerufen, Bilder von selbst gesehenem Abendrot. Man kann dann sagen: Das kenn ich - man kann dann aber auch emotional dieses Abendrot wieder erleben. Und wenn man etwas selbst nicht erlebt hat, dann können - das ist zumindest meine Absicht - Worte, dürre, wenige, aber treffende Worte vielleicht eine emotionale Wirkung hervorrufen. Manchmal auch dadurch, dass sie überhaupt nicht zusammenpassen: zum Beispiel 259: Wattebausche passen nicht zum Meer und nicht zu Erhabenheit. Aber vielleicht kann die Kombination ein Gefühl hervorrufen. Es wäre schön, wenn es dann und wann gelingen könnte. Es sind vielfach Spielereien mit Worte - eine Hommage an die Leichtigkeit. (Über Sinn und Unsinn des genannten Gedichtchens kann man viel sagen. Spannend finde ich selbst: Welche unpassenden Bilder man auch verwendet - durch die Erfahrung werden die Bilder einfach zu einem angenehmen Sommerhimmel uminterpretiert...)
Ich wollte immer malen.
Und weil ich es nicht kann,
versuch ich es mit Worten.
*
Gedicht 285 (13.12.11)
Wir stehen da mit leeren Händen, nackt und bloß,
ausgeliefert jedem Windhauch, jeder Welle, jedem Gedanken, jeder Leere.
Wer in seinem Lebensboot so steht oder kauert – mit Nichts in Händen –
kann sich hinein gleiten lassen in die Hände Gottes, des allmächtigen Vaters,
sie sind der Hafen der Ruhe, der Hafen warmen Lebens, sie allein – in Ewigkeit.
*
Gedicht 284 (2.12.2011)
Mit Tränentropfen
und roter Nase taucht sie
in die Menge ein.
*
Gedicht 283
Im Luftzug des Schnellzuges
Wirbeln die Wörter davon.
Willenlose Buchstabenfetzen.
*
Gedicht 282
Unterführung.
Ausstellung von Liebesphantasien
und ausgebrochener Gedanken.
*
Gedicht 281 (20.11.2011)
Wir verstehen Auferstehung nicht.
Wir verstehen Tod nicht.
Wir verstehen Leben nicht.
Wie geht das?
Tote Materie atmet, hat Geist,
hat Schmerz und Liebe.
Wie geht das?
*
Gedicht 280 (20.11.2011)
Schwarzer Vogel
fliegt in Herbstbaum
bunte Blätter
fallen flirrend
zu den Schwestern.
*
Als lichtes Nebelkleid
legt sich der Hauch der Vergänglichkeit
über Gras und Blatt.
*
Gedicht 278 (29.10.2011)
Freundinnen und Freunde,
überlasst den Gewalttätern nicht das Feld.
Freilich, es ist bequemer,
man eckt nicht an,
man kann sich freundlich zeigen
und über allem erhaben,
tolerant, sanft und edel,
man kann besser schlafen
- noch.
Freundinnen, Freunde,
überlasst ihnen nichts.
Nein,
um Euch ist mir Leid,
Freunde, Freundinnen.
Gedicht 277 (16.10.2011)
Das verblühte Sonnenblumenfeld -
eine Trauergemeinde.
Köpfe hängen, hängen, hängen schwarz.
Eine hebt strahlend ihren Kopf.
Noch.
*
Gedicht 276 (9.10.2011)
Die Äpfel hängen
in den langen Schatten
des Spätsommers.
*
Gedicht 275
Mit langen Herbstschatten
pflügt der Bauer den Acker.
Braune Schollen
glänzen im klaren Abendlicht.
(Eine Frage: Welches Bild entsteht vor Eurem inneren Auge? Pferd? Nein, es war ein riesiger Traktor.)
*
Gedicht 274 (1.10.2011)
Sonne vertreibt das Lampenlicht,
Menschen mögen Sommersonne nicht.
Licht vertreibt die Sonne
Hand in Hand mit dem Rollo.
Sonne rächt sich und bleibt fort.
Monat um Monat im Winter.
*
Gedicht 273
Ein Lächeln huscht
über ihr Gesicht.
Warum?
Ihre Seele weiß es.
*
Gedicht 272 (25.9.2011)
Abgerissene Sommerblätter,
Völker Afrikas,
zerfetzt, zerrieben, zertrieben
von Mordbuben.
*
Gedicht 271
Tanzt, Mücken, tanzt, tanzt,
der Sommer ist kurz und klamm.
Tanzt den Liebestanz.
*
Gedicht 270 (17.5.2011)
Die Kürbisse
tranken die Farben des Sommergartens
und verströmen sie nun im Raum.
*
Gedicht 269 (9.9.2011)
Mit silbernen Fäden
spinnen Spinnen den Sommer ein,
trotz Flugkünsten
können die Schwalben ihn nicht befrein.
Aus Sehnsucht nach Freiheit
lassen sie ihn, munter schwatzend, allein.
*
Gedicht 268 (2.9.2011)
Das Liebesspiel
unter dem großen,
tiefen Sternen-All.
Aber die Liebe,
aber die Liebe
ist größer,
ist tiefer.
*
Gedicht 267 (27.8.2011)
Nachruf 4
Immer war er mit Dackel unterwegs.
Mit Scherzen auf den Lippen –
wo sind sie nun?
Er – er ist daheim.
*
Nachruf 3
Sie rief an,
zur Zeit und zur Unzeit,
stundenlang.
Nur als sie Hilfe brauchte nicht.
Mit wem redet sie jetzt?
.
Gedicht 266 (24.8.2011)
Missverständnis
Mip, mip
machte das Mäuschen
und verstummte
zwischen den Zähnen
der Katz.
Zu meinen Füßen liegt es nun,
das kleine graue Geschenk
von der mich mögenden Katz.
.
Gedicht 265 (14.8.2011)
Zerfetzt fliehen
Wolken der Nacht
vor der gleißenden
goldenen Sonne.
.
Gedicht 264 (6.8.2011)
Was für ein Morgen!
Sonnenstrahlen, Wind und Grün
spielen in den Weinblättern.
Was für ein Abend!
Kerzenschein, Glas und Rot
spielen mit dem Wein.
*
Gedichte 263 (31.7.2011)
Gott ist Raum.
Wo ist er?
Gott ist Zeit.
Er vergeht.
Gott ist Bewegung:
Er weht wo er will
und drängt zur Liebe.
.
Gedicht 262 (31.7.2011)
Ich liebe den Sommer.
Mit heißem Herzen
schaut man Frau.
Mit warmen Füßen
geht man zu Bett.
.
Gedicht 261 (17.7.2011)
Bin ich mein Körper?
Bin ich in ihm?
… zu Hause?
… fremd, ganz fremd?
In ihm,
mit ihm eins,
auf dem Weg.
Kleine Dinge tun
mit großer Liebe.
*
Gedicht 260 (9.7.2011)
Gold´ne Flecken hoch
am Himmel. Schwarze Massen
wälzen schwer heran.
*
Gedicht 259
Wattebausche segeln
am blauen Himmelsmeer dahin.
In erhabener Stille.
*
Gedicht 258 (3.7.2011)
Gott bahnt sich zu uns seinen Weg.
Mit jedem Wort, das er zu uns spricht,
bahnt er in uns ein Weg in Licht.
Es ist unscheinbar und ganz klein -
im Leiden wird es wie verschwunden sein.
Gott bahnt sich zu uns mühsam seinen Weg.
.
Gedicht 257 (25.6.2011)
„Heute sag ich dir das Beste meiner Gedichte
und widme es meiner freundlichen Nichte.“
… „Und wann sagst du mir das Gedicht?“
„Hörtest du es nicht?
Heute sag ich dir das Beste meiner Gedichte
und widme es meiner freundlichen Nichte.“
*
Gedicht 256
Was war der Himmel
so klar und blau, nun ist
er trüb, ach, so grau.
Was war der Himmel
so trüb, so grau, nun ist er
klar und – wow – so blau.
*
Gedicht 255 (18.6.2011)
Schreck
Ihr Amselkinder
macht nicht so´n Geschrei, das lockt
nur Feinde herbei.
*
Gedicht 254
Der Traum dringt durch die Wände,
rührt Herz, Hirn, Hände,
er ist mir ganz nah,
weil er in meinem Innern war.
Jesus dringt durch die Wände,
erfüllt Herz, Hirn und Hände,
er ist mir ganz nah,
weil er in meiner Seele war.
Gedicht 253 (11.6.2011)
Die Amselkinder
lauschen im Kuschelnest auf
Papas Abendsang.
*
Gedicht 252 (10.6.2011)
Im Rosenblätterregen
nimmt sie ihr Frühstück ein.
Sie bittet um den Tagessegen,
mit den zwitschernden Vögelein.
Die Morgensonne die ihr lachet,
die heißt Herr Jesus Christ,
denn dieser ist´s der machet,
dass ihr Herz jubelnd fröhlich ist.
.
Gedicht 251 (4.6.2011)
Straßenkaffee
Getrockneter Lippenrand schmückt die Tasse,
befleckt ist das Tuch von Kaffee und Kindereis,
wacklig der Tisch, Pappdeckel befreit,
abgehetzt die Kellnerin im engen Schuh.
Fröhliche Menschen lachen vorbei,
bunte Kleidung umtanzt Sommerhaut.
Fremde – nie mehr seh ich sie wieder.
Sie nehmen Platz in meinem Herzen.
*
Gedicht 250 (28.5.2011)
Die Tiere der Tiefe
tauchen auf in der Nacht,
drehen ein paar Runden
im erschrockenen Hirn.
*
Gedicht 249 (21.5.2011)
Das Leben
ist eine einzige Party
sagte der Zugedröhnte
und ersoff in den Fluten
des Lebens.
Lieber so,
sagte der Kumpel,
als bei vollem Bewusstsein.
Lieber so.
*
Gedicht 248
Am Morgen sah ich einen Falken
wie er stolz auf seiner Warte sitzt.
Am Abend sah ich diesen Falken
auf die Straße aufgespritzt.
*
Gedicht 247 (14.5.2011)
In warmer Frühlingsnacht
unterm Sternenhimmel,
umhüllt vom Fliederduft.
Und Du? Du bist so fern!
.
Gedicht 246 (7.5.2011)
Freunde,
glaubt nicht an die Raupe,
die zum Schmetterling mutiert,
glaubt nicht an den kahlen Zweig,
der zur Frühlingsblüte wird.
Der Schlaf ist der Bruder des Todes:
Am Morgen steht Jesus um uns
und sagt liebevoll: Kind, steh auf!
.
Gedicht 245 (30.4.2011)
Hommage an die Könnerinnen
Ich putzte die Fenster mit aller Kunst,
doch oh grauslichster Graus,
am nächsten Morgen in der Sonne,
sahen sie schlimmer als vorher aus.
*
Gedicht 244 (15.4.2011)
Die dominanten Winterraben
haben öffentlich nichts mehr zu sagen.
Die Frühlingsvögelein
zwitschern sich in die Herzen hinein.
.
Gedicht 243
Passion 4
Juden und Heiden verfolgten Jesus.
Heiden verfolgten sein Volk.
Jesus wurde verraten.
Juden wurden verraten.
Jesus wurde verhaftet.
Juden wurden verhaftet.
Jesus wurde gedemütigt.
Juden wurden gedemütigt.
Jesus wurde gefoltert.
Juden wurden gefoltert.
Jesus wurde ermordet.
Juden wurden ermordet.
Jesus litt in Erinnerung
der Befreiung aus dem Sklavenland.
Juden litten in Erinnerung
der Befreiung von dem Sünden- und Todesband.
Jesus weint über sein Volk.
Jesus weint über seine Heiden.
.
Gedicht 242 (9.4.2011)
Gott in sich selbst suchen.
Gott im Nächsten finden.
Sich von Gott finden lassen.
Ehre sei dem Vater.
Ehre sei dem Sohn.
Ehre sei dem Heiligen Geist.
*
Gedicht 241
Passion 3
Herr Jesus Christus, wir sehen dein zerschundenes Gesicht
und sehen in ihm die schmerzverzerrten Gesichter der Menschen.
Herr Jesus Christus, wir sehen die tiefe Angst in deiner Seele,
und sehen in ihr, die große Angst, die uns Menschen anficht.
Herr Jesus Christus, wir sehen in deinem Schmerz, in deiner Angst die große Liebe.
und sehen in ihr unseren Schmerz, unsere Angst und Hoffnungslosigkeit geborgen.
Herr Jesus Christus, wir sehen in deinen Augen die große Liebe,
Herr Jesus Christus, wir spüren in deinen Armen die tragende Kraft,
wir bitten dich,
trage auch uns durch die Nächte des Lebens, durch die Finsternis der Welt,
richte uns auf, wenn wir auf dem Lebensweg schmerzvoll und verängstigt verharren.
Wir danken dir. Wir danken dir. Amen.
*
Gedicht 240 (3.4.2011)
Frühling
Früh am Morgen Haus verlassen -
eingetaucht in Gesang.
.
Gedicht 239 (3.4.2011)
Passion 2
Sehen können die Menschen in Jesus Christus am Kreuz,
dass sie leben können in Ewigkeit,
gereinigt, befreit, geliebt, bewahrt.
Hören können die Menschen von Jesus Christus am Kreuz,
dass sie leben können in Gottes Zeit,
gereinigt, befreit, geliebt, bewahrt.
Spüren können wir Menschen die Hoffnung am Kreuz,
geworfen in die Welt der Hoffnungslosigkeit leben wir,
gereinigt, befreit, bewahrt, getragen.
Unser Jesus, wir denken an deine Liebe am Kreuz,
geborgen in deiner Liebe leben wir,
gereinigt, befreit, bewahrt – unglaublich.
.
Gedicht 238 (26.3.2011)
Passion 1
Das Lamm Gottes gerissen von Wölfen.
Das Lamm Gottes gerissen von Wölfen,
es ist bei mir, unter den Wölfen.
Jesus fürchtet sich vor Erniedrigung und Schmerz.
Jesus fürchtet sich vor Erniedrigung und Schmerz,
um mir nahe zu sein in meiner Erniedrigung, meinem Schmerz.
Jesus schreit am Kreuz: Warum, mein Gott.
Jesus schreit am Kreuz: Warum, mein Gott,
in seinem Schrei birgt sich mein Warum.
Jesus, der Christus, stirbt am Kreuz den Tod.
Jesus, der Christus, stirbt am Kreuz den Tod,
wird mich umhüllen und zum Leben führ´n.
.
Gedicht 237
Frühlingssingsang
Wunderbar, mein Gott, es ist Frühling!
Vögel zwitschern und pfeifen,
von Dächern und von Zweigen.
Bienen summen um gelbende Kätzchen,
Büsche blühen,
Bäume grünen,
Eichhörnchen machen Mätzchen.
Warmer Hauch umschmeichelt die Haut,
die strahlende Luft ist leicht verblaut.
Wunderbar, mein Gott, es ist Frühling!
.
Gedicht 236 (19.3.2011)
Das Glück,
das Glück
genießen zu können,
wenn es auch nur
einen Tag lang währt,
einen kurzlang Augenblick
vielleicht,
gestreift vom Glück.
.
Gedicht 235
Unglück
Glück
ist nur
ganz
genießbar,
wenn
Glück
Glück streift.
.
Gedicht 234 (5.3.2011)
Nur
Wellenplätschern
Möwenrufen,
Wind
im Ohr -
und dein Atem.
Erinnerung.
.
Gedicht 233 (27.2.2011)
Strahlende Sonne
verfinstert das Gesicht und
erleuchtet das Herz.
.
Gedicht 232
Behutsam nahmst du meine Gedanken,
entführtest sie zu dir.
Gestärkt und fröhlich kamen sie zurück.
.
Gedicht 231 (20.2.2011)
Einen Augen-Blick lang
schaut Gott uns an.
Wie ein Lufthauch nur berührt
uns Gottes Nähe.
Er erhebt uns aus der Mattheit,
damit wir stehen -
wir können gehen.
.
Gedicht 230 (12.2.2011)
Das Frühlingswetter ist nass und kalt,
doch muntre Vögel singen schon im Wald,
im Garten die weißen Glöckchen klingen -
nein, es sind die zarten Elfen, sie singen.
Sie singen eine sonnenreine Melodie -
sehr gut kennst du sie:
Das Frühlingswetter ist nass und kalt,
doch muntre Vögel singen schon im Wald,
im Garten die weißen Glöckchen klingen -
nein, es sind die zarten Elfen, sie singen.
Sie singen eine sonnenreine Melodie –
sehr gut kennst du sie:
Das Frühlingswetter ist…
.
Gedicht 229 (5.2.2011)
Blinzeln,
Küsschen,
streicheln –
ich, gespürt von dir.
Wort,
Name,
Gedanke –
ich in dir.
.
Gedicht 228 (5.2.2011)
Rolläden sperren
die Nacht aus. Die Nacht kauert
im Seelenherzen.
.
Gedicht 227 (30.1.2011)
Sie liebe Tanzen.
Ballkönigin
sei sie gewesen beim Dorftanz,
früher,
die 89jährige.
Heute
tanze sie in der Küche,
allein.
Gott liebe Tanz.
.
Gedicht 226 (22.1.2011)
Entfernt wurde der Weihnachtsbaum,
ein leichter Duft steht noch im Raum.
Das mit dem Christkind war schon lange her.
An dieses Kind denkt keiner mehr.
Ein leichter Duft durchzieht uns auch im neuen Jahr,
weil Christ noch ist – nicht einmal war.
.
Gedicht 225 (15.1.2011)
Die Bäume ziehn ihr
Schneekleid aus. Sie lassen sich
von Strahlen streicheln.
.
Gedicht 224
Mancher ist zornig
gegen den andern, weil er
seine Träume lebt.
.
Gedicht 223 (1.1.2011)
Das alte Jahr
liegt mit gerupften Flügeln da.
Ein paar Federn glänzen noch
und doch…
Das neue Jahr,
ist dir das klar?,
putzt schon ziemlich aufgebracht
seine bunte Flügelpracht.
Und wir nicht minder aufgeregt
schauen ängstlich, unentwegt,
ob dieses Jahres Federkleid
hält das ersehnte Glück bereit.
Ob eine Glück- ob Trauerfeder fällt,
Gott das Jahr in Händen hält.
Aus Gottes Händen nehmen mag
- ich jeden Tag.